Keine Nummer drei…!

ich_lang_2048Wir haben sehr gute Freunde, die wir durch unsere große Kleine kennengelernt haben. Das erste Mal haben wir uns im Krankenhaus gesehen, als ich etwa eine Woche vor der Geburt aufgenommen wurde. Die Ärzte wollten versuchen eine Äußere Wende bei meiner Tochter durchzuführen. Das kleine bockige Mädel wollte sich einfach nicht in die richtige Geburtspositon drehen und wir wollten einen Kaiserschnitt vermeiden. Wir waren also im Krankenhaus… – sehr aufgeregt ob das denn nun klappen wird. Vor uns war eine andere Familie dran, die offensichtlich das gleiche Problem hatte. Leider hat die Wende bei uns nicht geklappt, auch bei der anderen Familie nicht. Somit stand für uns fest, es wird wohl oder übel ein Kaiserschnitt. Zur Beobachtung musste die andere schwangere Frau und ich eine Nacht im Krankenhaus verbringen. Wenn man gleich in so einem frühen Bekanntheitsgrad eine Nacht miteinander verbringt, lernt man sich kennen. Wir haben uns gegenseitig Mut zugesprochen und uns bemitleidet. Eine Woche danach hatte sie bereits ihr Baby in den Händen, meine kleine Maus kam ein paar Tage später. Da die andere Mama an dem Tag der Geburt meiner Maus noch im Krankenhaus war, war sie nach meinem Mann die Zweite die meine kleine Maus gesehen hat.

Nach den Geburten hatten wir uns noch ein paar Mal getroffen, der Kontakt ist aber relativ bald abgeflaut … irgendwie hatte es einfach nicht gepasst. Ein gutes Jahr nach unserem Kennenlernen war ich gerade mit meiner kleinen Maus unterwegs um mich mit einer anderen Freundin zu treffen, die zufällig den gleichen Namen hatte wie sie. Da ich meine Freundin nicht gefunden habe, wurde das Handy gezückt und angerufen. Ich war aber anscheinend zu flott und habe unabsichtlich die falsche Nummer gewählt … und bin bei der falschen Namensvetterin durchgekommen. Wir haben dann etwas geplaudert, peinlichen Small Talk geführt. Bis zu dem Zeitpunkt, als sie mir erzählt hat, dass sie wieder im dritten Monat schwanger ist. Ab da hatten wir – abgesehen von jeweils Tochter Nummer eins – eine weitere Gemeinsamkeit. Denn ich war auch wieder schwanger und wir hatten wieder beinahe den gleichen Geburtstermin. Wir haben uns dann regelmäßig getroffen. Unsere beiden Töchter spielten meist (wenn meine Kleine ihrer Kleinen nicht gerade das Gesicht zerkratzt hat) lieb miteinander und wir haben die zweite Schwangerschaft zusammen erlebt. Wir haben gemeinsam gestöhnt, da der Bauch im Hochsommer so dick war, das große Kind so anstregend war und uns übere unsere Männer ausgeheult, die unsere Schwangeren-Situation nicht verstanden.

Mein Kleiner hat sich dann doch 10 Tage mehr Zeit gelassen (eine Runde Mitleid bitte) und als ihre Kleine gerade ein paar Tage alt war, durften wir sie besuchen – ich noch mit megadickem Bauch – um Baby zu schnuppern.

Die nächsten Jahre hatten wir mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt, die letzten 2 Jahre haben wir unseren Sommerurlaub gemeinsam verbracht und der nächste steht bevor. Unsere Kinder verstehen sich gut, sie übernachten sogar gegenseitig beieinander. Wir – die Erwachsenen – haben viel Spaß und viele Gemeinsamkeiten. Diese Familie ist also aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Und hier sieht man wieder mal – alles schlechte hat was gutes, denn ohne die äussere Wende bzw. den Kaiserschnitt der großen Kinder hätten wir uns nie kennengelernt.

Vor ein paar Tagen war meine Freundin spontan zu Besuch. Sie hatte eine fadenscheinige Ausrede warum sie plötzlich vorbei kommen musste. Und sie eröffnete mir, dass nun das Kind Nummer 3 unterwegs ist. Die Freude ist groß! Diesmal machen wir allerdings nicht mit. Und das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mein Mutterinstikt, die Frau in mir sagt – oh jaaa, nochmal so ein kleines Baby, nochmal dieser feine Babygeruch, nochmal die anfangs zarten Tritte in mir spüren. Mein Verstand sagt „Bist du denn komplett wahnsinnig?“ Und auch mein Lieblingsmann sagt das. Die Kinder sind endlich aus dem gröbsten raus, werden immer selbstständiger, ich kann wieder arbeiten, hab nicht nur Kinder im Kopf und finanziell pendelt es sich endlich etwas ein. Alles wunderbar wie es ist. Und somit steht fest, es kommt keine Nummer drei! Umso mehr freue ich mich aber, dass wir (hoffentlich) auch weiterhin an dem Leben unserer Freunde teilnehmen können und ich hin und wieder Babyschnuppern, Babytragen und kuscheln kommen darf!

Print Friendly