Wie man das Gefühl von der Mama verletzt …

Es war einer dieser Tage:

In der Arbeit Stress pur, man weiß gar nicht wo man anfangen oder was man als nächstes machen soll, muss aber früh nach Hause gehen weil man heute die Kinder aus dem Kindergarten abholen muss und ist sowieso schon viel zu spät dran ist. Man lässt alles liegen und stehen, mit einem schlechten Gewissen den Kollegen gegenüber weil man sie mit der Arbeit alleine lässt und den Kinder gegenüber, weil man schon so spät dran ist.

Dann sucht man beim Kindergarten ewig einen Parklplatz und quetscht sich irgendwo halb legal hinein um in den Kindergarten zu hetzen. In der Gruppe angekommen, nehmen die Kinder wahr, dass man an der Türe steht. Das war es aber auch schon wieder. Sie kommen nicht freudig auf einen zu gelaufen. Nein, sie spielen einfach weiter, ignorieren einen und sind sogar sauer, weil man „schon“ da ist. Wunderbar. Trotzdem, es hilft nichts, denn ich bin da, die Kinder müssen raus aus der Gruppe und rein in die Klamotten. Das geht natürlich nicht ohne Maulen. Somit zwängt man die lauthals schimpfenden kleinen Zwerge in die Schuhe und Jacken obwohl man sie am liebsten in ihr Bergwerk zurück jagen würde.

Grantige-Augen
Hilft aber nichts … Dann gehts raus aus dem Kindergarten. Auf dem Weg zum Auto muss man zwei Kinder hinter sich her schleifen. Die Passanten die einem entgegenkommen denken wahrscheinlich, was für eine furchtbare Mutter man ist und suchen bereits nach der Nummer vom Jugendamt.

Irgendwie schafft man es aber dennoch die zwei nörgelnden Kinder ins Auto zu bewegen, einen Slalom durch Hundstrümmerl in der Wiese zu machen und sie anzuschnallen ohne dass man einen Fuß ins Gesicht getreten bekommt.

Kaum sitzt man am Fahrersitz geht die Sudderei weiter. Die 5jährige hat plötzlich Hunger, Durst und muss sofort aufs Klo. Der damals noch 3jährige sagt, dass er nicht nach Hause will und mich sowieso nicht mehr mag. Er will mich eigentlich gar nicht wiedersehen und sowieso und überhaupt, er will zu seinem besten Freund in den Kindergarten zurück. Ich starte den Motor, atme tief durch und hoffe, dass Ruhe ist, wenn ich die Musik lauter drehe. Mein Sohn hört dennoch nicht auf, wird immer hysterischer und schreit: „Mama, ich hasse dich“. Und das ist genau der Punkt wo es dann reicht. Ich bin manchmal auch sehr zart besaitet und nah am Wasser gebaut. Und auch wenn man versucht sich zu beherrschen, an manchen Tagen läuft das Fass dann über. Und dann kullern die Tränen.

Die 5jährige fragt mich „Mama was ist los“. ? Ich schluchze, dass ich traurig bin, weil sie sich nicht freuen, dass ich sie abhole, dass ich mich so beeilt habe und dass ihr Bruder so furchtbar gemein ist“. Darauf sagt sie zu ihrem Bruder

„Siehst du, jetzt hast du das Gefühl von der Mama verletzt!“

Da konnte ich nicht mehr schluchzen, sondern musste lachen. Der 3jährige war auch verdattert und hat sich sogar entschuldigt. Spätestens da konnte ich den beiden Grantschermen sowieso nicht mehr böse sein.

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