Speibsackerl und Rotzglocke

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Ich habe eine beste Freundin. Seit sehr langem. Mittlerweile schon seit fast 20 Jahren (OMG, ich bin alt). Ich habe sie Mitte der 90er über eine ganz altmodische Brieffreundschaft kennen gelernt. Wir haben uns richtige Briefe geschickt – also mit der Post und handgeschrieben. Bis wir irgendwann drauf gekommen sind, dass wir nur ein paar Straßenbahnstationen entfernt voneinander wohnen. Dann haben wir uns getroffen und richtig real angefreundet. Ich fand nicht nur sie toll, sondern auch ihre Familie. Ich durfte oft die Wochenenden bei ihr verbringen und habe mich immer wie ein Teil der Familie gefühlt. Eine richtig tolle Familie wie man sie aus dem Bilderbuch kennt.

Wir hatten auch irgendwann eine kleine Krise, in der wir uns kaum gesehen und nur selten Kontakt hatten. Dennoch haben wir irgendwie wieder zu einander gefunden. Ganz früher waren wir sogar mal gemeinsam auf Urlaub und ich durfte ihr Speibsackerl im Flugzeug halten. Sie hat sich später revanchiert indem sie meinen Kindern die Windeln gewechselt hat.

Sie wollte immer Familie, Kinder, Hochzeit – das ganz klassische Leben. Ich wollte das nie, ich wollte ins Ausland gehen und Kinder waren immer ein No-Go für mich. Ich hatte „Angst“ vor Kindern, die waren immer so direkt und wenn mich eins angesprochen hat, bin ich geflüchtet. Sie ist Pädagogin geworden und liebt Kinder über alles.

Mittlerweile führe ich das fast klassische Familienleben. Sie hatte einen fast größeren Schock als ich, als sie erfahren hat, dass ich schwanger bin. Und sie ist für meine Kinder eine großartige Tante. Sie liebt meine Kinder fast so als wären es ihre eigenen. Sie lacht mehr über die lustigen Aussagen meiner zwei Monster als ich. Sie hat ihnen die Windeln gewechselt, ihnen den Sabber vom Mund gewischt und die Rotzglocke vom Gesicht entfernt. Und hat mir währenddessen noch durch meine harte Mama-Zeit am Anfang geholfen. Sie ist bis heute noch sehr verständnisvoll, wenn wir plaudern und die Kinder uns bei jedem zweiten Satz unterbrechen. Sie begleitet mich zwei Mal im Jahr völlig geduldig beim Kleidershopping. Und sie sagt mir auch ehrlich, wenn ich von einer Hose absolut überzeugt bin, aber eigentlich aussehe wie eine Knackwurst. Sie hört sich meine Probleme aus der Arbeitswelt an. Sie ist sogar einmal bei einem Familienurlaub mit meinem Mann und Kindern mitgefahren – freiwillig! Und sie hat uns alle die ganze Woche ausgehalten. Also nicht nur mich und meine kleinen Quälgeister hat sie 7 Tage lang ertragen, sondern auch meinen Mann, der auch manchmal ein paar Macken hat. Sie hat meine kleine Große aus dem Meer gefischt, als sie fast ertrunken wäre. Sie war nach meiner Familie immer die erste die die frisch geboren Kinder begutachtet hat. Sie hilft mir aus der Not, wenn ich im Büro festsitze und die Kinder aber abgeholt gehören. Seit die Kinder da sind, besucht sie mich fast jede Woche. Und in manchen Wochen, als ich mit den Kindern daheim festgesessen bin, war sie sogar das wöchentliche Highlight. Obwohl ich praktisch null Fahrerfahrung hatte, ist sie mutig mit mir und den Kindern auf einen Ausflug aufs Land gefahren. Sie hasst basteln, werkt aber regelmäßig mit mir und den Kindern an Kunststücken. Sie spielt an jedem Kindergeburstag freiwillig Kinderanimateurin. Sie öffnet mir regelmäßig die Augen, wenn ich nicht weiter weiß und steht mir mit Rat zur Seite. Und wir lachen und kichern immer noch gemeinsam als wären wir Teenies.

Sie ist einfach eine perfekte beste Freundin und noch dazu eine tolle Patentante für meine Kinder. Ich habe keine Geschwister, aber sie ist wie eine Schwester für mich. Und ich muss sagen, auf ihre richtige Schwester war ich immer eifersüchtig.

Sie hat es momentan nicht leicht und einen ganz großen Wunsch, der einfach nicht in Erfüllung gehen will. Ich wünsche ihr von ganzem Herzen, dass dieses Jahr „ihr“ Jahr wird und sich ihre Wünsche und Träume verwirklichen.

Danke meine Liebe, dass du immer so für mich da bist. Ich freue mich auf die nächsten 20 Jahre mit dir an meiner Seite (und dann sind wir wirklich alt!)!

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